Call for Papers/Articles für das PopScriptum Nr. 12 zu: „Sound, Sex und Sexismus“

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Nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive erscheint es offensichtlich, dass Popmusik hochgradig mit Sexualität und Gender verbunden, wenn nicht sogar regelrecht verwoben ist. Die aktuelle Diskussion spiegelt sich einerseits in zahlreichen Publikationen wieder, die der populären Musik und ihren Protagonist_innen im Bezug zu Geschlecht Subversivität, Androgynität oder Queerness (vgl. Doris Leibetseder, Sheila Whiteley/Jennifer Rycenga) nachsagen, und andererseits einer deutlichen Kritik an sexistischen und sexualisierenden Darstellungen von Frauen im Popmusikkontext (vgl. Nicola Dibben, Simon Frith/Angela McRobbie).

Dabei gibt es zunehmend Texte, die sich dem Klang der Musik – insbesondere der Stimmen – widmen und so spezifisch klangliche oder klangbezogene Dynamiken der Subversion oder Reproduktion normativer Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität herausarbeiten (vgl. Barbara Brabdy, Suzanne Cusick, Freya Jarmen, Laurie Stras). In dieser Ausgabe des PopScriptums soll dieses Feld weiter untersucht und vor allem die Frage nach einer eigenen Dimension von Musik weiterverfolgt werden, die auch etwas Eigenes und Neues zur allgemeinen Debatte über Geschlecht und Sexualität beitragen kann.

Es werden Beiträge gesucht, die die Rolle von populärer Musik in der Konstruktion von geschlechtlichen Körpern, geschlechtlicher Identität, Begehren, Erotik oder verschiedenen Vorstellungen von Sexualität untersuchen.

Hierbei interessieren uns Fragen, wie: Auf welchen Ebenen werden Geschlechterbilder in und mit Popmusik erzeugt und was macht sie aus? Was klingt „queer“, „sexy“, „feminin“, „maskulin“ etc. und wieso? Welche Schlussfolgerungen ergeben sich hieraus für die sonst oft eher visuell oder sprachlich untersuchten Geschlechterbilder? Lassen sie sich bestätigen, ergänzen, weiterentwickeln oder in Frage stellen? Welche Wirkungen entfalten solche popmusikalisch erzeugten Geschlechterbilder gesellschaftlich? Wie entstehen geschlechtlich und sexuell kodierte Identitäten, Körper und Subjekte in Interaktion mit Musik? Welche Rolle spielen dabei musikbezogene Praktiken, wie z. B. Tanz? Wie lassen sich Sexismus oder Feminismus in der Musik festmachen? Welche empowernden oder subversiven Potentiale hat welche populäre Musik – und wie, für wen und in welchem Kontext? Wie interagiert die Musik mit visuellen Darstellungen, Images und Kontexten? Und wie wirkt Musik schließlich normierend oder verändernd auf die Entwicklung von Geschlechteridentitäten und Sexualität in einer Gesellschaft ein?

Dabei sind beispielhafte Untersuchungen von einzelnen Songs, Künstler_innen oder Kontexten ebenso willkommen, wie theoretische Grundsatzüberlegungen. Qualifizierte Beiträge, die Gender in Beziehung zu weiteren Kategorien, insbesondere „race“, betrachten, würden wir besonders begrüßen.

Wir bitten um das Einsenden von ein- bis zweiseitigen Abstracts bis zum 20.7.2015 an: LJMueller[AT]hu-berlin.de.

Es folgt eine zeitnahe Information über die positive oder negative Auswahl. Ausformulierte Texte sollen dann bis zum 30.4.2016 eingereicht werden. Die Veröffentlichung ist für Juni 2016 geplant. Texte können auf Deutsch oder Englisch veröffentlicht werden. Beiträge von Nachwuchswissenschaftler_innen sind herzlich willkommen.

Zum PopScriptum:

Das PopScriptum, gegründet 1992 als erstes deutschsprachiges Publikationsforum zur Popmusik-Forschung und herausgegeben vom Forschungszentrum Populäre Musik der Humboldt-Universität, erscheint in unregelmäßigen Abständen als Online-Publikation. Die einzelnen „Ausgaben“ sind dabei als thematische Diskussions-Plattformen gedacht, die unabhängig von Erscheinungsweise oder Publikationsterminen jederzeit eine Weiterführung des Diskurses ermöglichen und also auch permanent fortgeschrieben werden können. Das Einsenden von weiteren Beiträgen zu diesem Thema oder zu den vergangenen Themen ist also jederzeit möglich. Das PopScriptum versteht sich nicht als musikwissenschaftliche Publikation im engeren Sinne, sondern begrüßt auch Beiträge aus anderen Disziplinen, die sich ebenfalls den populären Musikformen als Gegenstand widmen. PopScriptum Webseite

Call in English

Kontakt: Lena Jade Müller
Mail: LJMueller[AT]hu-berlin.de
Tel: 030 – 2093 – 2062
Fax: 030 – 2093 – 2183
www2.hu-berlin.de/fpm/popscrip/

Literatur
Leibetseder, Doris (2010): „Queere tracks“, Bielefeld.
Whiteley, Sheila/Rycenga, Jennifer (2006) Hrsg.: „Queering the popular pitch“, New York/Abington.
Dibben, Nicola (1999): „Representations of femininity in popular music“, Popular Music, Vol. 18, No. 3, Oxford.
Frith, Simon /McRobbie, Angela (1978): „Rock and Sexuality“,, in: Frith, Simon/Goodwin, Andrew (Hrsg.): On Record – Rock, Pop & the written word, London.
Bradby, Barbara (2002): „Oh, Boy! (Oh, Boy!): mutual desrability and musical structure in the buddy group“, in: Popular Music Volume 21/1, Cambridge.
Cusick, Suzanne G. (1999): „On Musical Performance of Gender and Sex“, in: Barkin, Elaine/Hamessley, Lydia (Hrsg.): Audible Traces, Zürich/Los Angeles.
Jarman- Ivens, Freya (2011): „Queer Voices – Technologies, Vocalities and the Musical Flaw“, New York.
Stras, Laurie (2011) Hrsg.: „She’s So Fine: Reflections on Whiteness, Femininity, Adolescence and Class in 1960s Music“, Farnham/Burlington.

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