Neu: Radiophonics, Bd. 1: Radiophonic Cultures

Radiophonics:

Das Radio als entscheidende Kommunikationsform des 20. Jahrhunderts durchläuft gegenwärtig Prozesse fundamentaler Reorganisation unter dem Schlagwort »Digitalisierung«. Unter dem älteren Begriff der Radiophonie betrachtet, setzen diese Prozesse konzeptuelle Möglichkeiten frei, die weit über eine Ökonomisierung von Produktions- und Sendeformen hinausgehen. Radiophonie als Kulturtechnik integriert die Unterscheidung von musikalischem Klanggeschehen und von Effekten und Sounds zu einem neuen Konzept von Klangkunst. Diesen Themen widmen sich die Ausstellung Radiophonic Spaces und die Tagung Radiophonic Cultures – Sonic Environments and Archives in Hybrid Media Systems ebenso wie die begleitende Publikation in drei Bänden. Band 1 Radiophonic Cultures (Texte) gibt den aktuellen Stand der Diskussion um Radiophonie, deren Geschichte und mögliche Zukunft, entlang der auf der Tagung fokussierten Fragestellungen wieder.

Band 1:
Ute Holl (Hg.): Radiophonic Cultures

Der Begriff Radiophonie ruft eine doppelte Struktur auf: Gerät und Klang, Technik und Musik, Übertragen und Sagen, Senden und Gesendetes, Trägerfrequenz und Audiosignal, Immaterialität und Materialität der Kommunikation und auch die Institution Radio und »Zauberei auf dem Sender« (Hans Flesch). Radiophonie thematisiert ein gegenseitig parasitäres Verhältnis von Technischem und Menschlichem überhaupt. Radiophonie ist stets experimentell, denn das Komponieren von Klängen lässt in dieser doppelten Konstellation immer eine Lücke für das Unberechenbare, Zufällige, den Unfall als Sound oder Rauschen. Zugleich adressiert Radiophonie ein Phänomen, das zum Unheimlichsten medialer Kulturen gehört: Drahtlos wird etwas übertragen, durch ein Nichts, und erreicht doch alle, die einen »kleinen Kasten« – wie es im Lied von Bertolt Brecht heißt – bei sich tragen, sogar auf der Flucht, um Stimmen und Geräusche der Anderen empfangen zu können.
Die Beiträge dieses Bandes dokumentieren Forschungen zur Radiophonie auf dem Feld zwischen Musikwissenschaft, Radioforschung und Medientheorie.

Mit Texten von:
Angela de Benedictis, Andrea F. Bohlman, Camilla Bork, Stefanie Bräuer, Simone Conforti, John Dack, Ole Frahm, Marcus Gammel, Tobias Gerber, Maren Haffke, Wolfgang Hagen, Ute Holl, Tetsuo Kogawa, Julia Kursell, Colin Lang, Eva Meyer, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Jan Philip Müller, Eran Schaerf, Armin Schäfer, Matthias Schmidt, Bernhard Siegert, Antje Tumat

Kehrer Verlag, Heidelberg 2018
288 Seiten, 25 Abb., Deutsch, ISBN 978-3-86828-862-9

www.kehrerverlag.com/de/radiophonics
www.radiophonic-cultures.ch

Für Rezensionen können wir natürlich gerne auch ein Exemplar des Buchs abgeben. Dafür bitte eine Email schreiben an:
janphilip[pünktchen]mueller[at]unibas[pünktchen]ch


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