Leuphana Universität Lüneburg

Leuphana Universität Lüneburg 

Masterstudiengang „Kulturwissenschaften“ („Culture, Arts and Media“), Vertiefung „Sound Studies – digitale Perspektiven“ 

Wo der Mensch lebt, da existieren spezifische, teils selbst produzierte auditive Umgebungen; mit der Art und Weise, wie er tönt und lärmt, wird auf (soziale) Organisationsstrukturen verwiesen, die eine Vielzahl an zu decodierender Information mit sich führen. So verstanden handelt es sich bei Musik und Umweltklang um kulturelle Signifikationspraxen, denen an der Leuphana Universität ein Studienschwerpunkt gewidmet ist. Der Wandel der Aufschreibesysteme von der Notation zur (inzwischen digitalen) Phonographie hat nahezu alle Aspekte auditiver Kultur und mit ihr die akademischen Kurse grundlegend verändert. Sound Studies nehmen diese Veränderungen auf und nähern sich undogmatisch und transdisziplinär der veränderten klanglichen Lebenswirklichkeit.

Die Vertiefung „Sound Studies – digitale Perspektiven“ im grundständigen Masterstudiengang „Kulturwissenschaften“ („Culture, Arts and Media”) an der Leuphana Universität in Lüneburg verhandelt verschiedene Themenbereiche der aktuellen auditiven kulturellen Praxis. Künstlerische Herangehensweisen von Pop bis hin zu zeitgenössischer Avantgarde sind in diesem Zuge ebenso wichtig, wie technokulturelle Dispositive und Diskurse über Alltagsklänge. Auch die Beobachtung populärer Klangwelten, allen voran die allgegenwärtige Pop-Musik, sowie die Behandlung allgemeiner medientechnischer Diskurse sind zentrale Elemente des Studienprogramms. Der Untertitel „digitale Perspektiven“ verweist dabei unter anderem auf die unter dem Stichwort „Digitalisierung“ angesprochene Kulturalisierung des Digitalen. Die Schlagwörter „Sonifikation“ und „Sound-Epistemologie” sind, gerade mit Hinblick auf die durch die Digitalisierung geprägte Gegenwart, immer häufiger Gegenstand einer Vielzahl wissenschaftlicher und künstlerischer Diskurse. Die Annahme, dass auch Klänge erkenntnistheoretisches Potenzial besitzen, ist dementsprechend kein exklusives Novum. Neu hingegen ist das Bewusstsein von der klanglichen Komponente der Welt als deren unmittelbar wirksamer Faktor: Die Augen lassen sich aktiv verschließen, den Geruchs- wie den Geschmackssinn kann ein Mensch verlieren. Schallwellen hingegen durchdringen den Körper in physischer Art und Weise selbst dann noch, wenn das Hören des Ohrs unterbunden wird. Es gibt vor ihnen kein Entkommen. Diese Unmittelbarkeit erzwingt auch diskursive Aufmerksamkeit, verbunden mit Themen wie etwa einer neuen sensorisch gestalteten Rhythmizität der sowie einem „New Materialism“ (Christoph Cox), der sich mit objektgewordenen Klängen oder klanggewordenen Objekten und deren am Material ablesbaren Wechselwirkungen auseinandersetzt. Der Schwerpunkt Sound Studies bietet eine Anschlussfähigkeit zu einer Vielzahl an akademischen, wie auch wirtschaftlichen Teilbereichen (z.B. Produktdesign/Klangdesign).

Modultebleau

Diskurse der Sound Studies (Pflichtmodul) 
Das Einführungsmodul eröffnet den Blick auf das un- bzw. transdisziplinäre Forschungsfeld der Sound Studies. Innerhalb der Veranstaltung werden verschiedene Herangehensweisen an eine klanglich verfasste (Um-) Welt vorgestellt und es wird versucht bis dato als fix geltende Grenzen mittels konstruktiver Kritik (weiter) zu verschieben.
Digitale Musik (Pflichtmodul) 
Das zweite Pflichtmodul in der Vertiefung der Sound Studies trägt die Musik und das Digitale programmatisch im Titel. Einerseits ist es in diesem Modul vorgesehen, die aktuelle Praxis in der (Musik-) Wirtschaft eingehender zu untersuchen: Algorithmisch strukturierte Formen der Ordnung ausfindig zu machen und eine informationstheoretische Basis der digi- talen Distribution zu identifizieren. Auf der anderen Seite steht der explizite Diskurs um das musikalische Material und dessen Beschaffenheit im 21. Jh : Gibt es digitale Musik? Und wenn ja, wie hört sie sich an?
Medien – Technik – Wissen (Wahlmodul) 
Die methodologische Einordnung medialer sowie technischer Phänomene in den (historisch-diskursiven) Gesamtzusammenhang steht in diesem Modul im Vordergrund. Gerade für die Sound Studies ist es wichtig, Übertragungsleistungen vorzunehmen, sowie disziplinäre Interferenzen und Synergien zu erkennen.
Mediengeschichte (Wahlmodul) 
Die historische Dimension der technologischen Entwicklung steht hier im Mittelpunkt. Keine Erfindung, keine Entdeckung geschieht im “luftleeren” Raum. Immer existieren bestimmte Traditionslinien, die an der Basis eines wahrgenommenen Wandels werken und wirken. (Proto-) Kybernetische Theoreme wie jenes der Rückkopplung bieten in diesem Zusammenhang ein typisches Beispiel.
Populäre Sounds und Medien (Wahlmodul) 
Populäre Klänge, wie z.B. die Pop-Musik, sollen hier auf ihre medientheoretische Bedingung hin untersucht werden. Die (konstruierte) Brücke zwischen den Cultrual Studies, den Popular Music Studies und der Medienwissenschaft ist hier der Untersuchungsgegenstand.
Netzkultur (Wahlmodul) 
Das Netzwerk als allgegenwärtige Strukturmetapher des Digitalen soll hier den entsprechenden Theorieschulen entsprechend beleuchtet werden. Die Verfassung des digitalen Netzes sowie seine inhärente Logik stehen hier ganz oben auf der Tagesordnung.  
Diskurse und kulturelle Praktiken digitaler Medien (Wahlmodul) 
Wie verändern sich kultur- und medientheoretische Paradigmen im Angesicht des digitalen Wandels? Dieser Frage gilt es sich in diesem Modul exemplarisch zu nähern. Ein veränderter Materialbegriff kann hier ebenso von Interesse sein wie eine Elaboration der Bedingung Digitalen generell.
Strategien auditiver Gestaltung (Wahlmodul) 
Dieses sehr an der digitalen Gestaltungspraxis orientierte Modul führt die Studierenden exemplarisch an die aktive Erschließung ihrer musikalischen und klanglicher (Um-) Welt heran. Der Umgang mit Sensoren, mit Digital Audio Workstations (DAWs) sowie den in der Musikpraxis genutzten Software-Bausteinen ist ein gewichtiger Bestandteil des Moduls.
Populäre Musik und kulturelle Identität (Wahlmodul) 
Die Bedeutung von populärer Musik (wobei dieser Terminus selbst eingehender zu bestimmen ist) für die eigene kulturelle Identität wird aus ethnologischer Perspektive betrachtet werden. Mit der Annäherung an die aktuell relevanten Diskurse (postcolonialism, afrofuturism etc.) sollen sich die Studierenden selbständig ein umfassenderes Bild machen.